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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Mythen
Fortuna Offline



Beiträge: 273

20.08.2004 15:09
RE: Merlin-Keltische Mythologie antworten

Merlin (auch Myrddin) ist der Zauberer, den wir aus den Erzählungen von König Artus und seiner Tafelrunde kennen. Zumindest glauben wir ihn zu kennen, denn er ist bedeutend mehr als eine Randfigur, mehr als der vertrottelte alte Mann, der zufällig ein paar Tricks kennt, die seinem König helfen und endlich, senil geworden, sich in eine viel jüngere Frau verguckt und von ihr ins Verderben gerissen wird.

Viele Legenden ranken sich um die Gestalt des Merlin. Er ist Druide, Zauberer, Weiser, Seher und Bewahrer eines Königreiches, das er selber mit zu erschaffen geholfen hat. Seine ganze Existenz ist in ein Mysterium gehüllt, das aus den Tiefen der Zeit zu uns spricht, denn er stammt aus der Zeit der Kelten, vorchristlich und geheimnisvoll, sagenumwoben und nie ganz greifbar. Er ist das Ergebnis einer Vereinigung eines Succubus mit einem Menschen, daher selber nicht ganz menschlich und mit geheimnisvollen Kräften begabt. Quasi unsterblich, lebt er rückwärts in der Zeit, die Zukunft (weil seine Vergangenheit) birgt daher für ihn keine Geheimnisse, dennoch kann er seinem Schicksal nicht entrinnen. Er ist der letzte der Weisen Druiden, bewahrt ihre Geheimnisse in einer immer christlicher werdenden Welt. Einst hat er Stonehenge von Irland nach Britannien verpflanzt, dort lebt er nun und bestimmt die Geschicke des Reiches, greift gar aktiv ein, damit Artus als größter König seiner Zeit gezeugt werden kann, gibt diesen dann zur Erziehung zu Pflegeeltern, verhilft ihm danach zur Herrschaft und steht ihm den Rest seines (Merlins) Lebens mit Rat und Tat zur Seite. Er gibt seine Lehren als Vermächtnis eines dunkleren Zeitalters an den jungen König weiter, als die alten Bräuche letztlich in der neuen Welt aufgehen, ist seine Aufgabe vollbracht. Letztlich fällt er der Umgarnung der Dame vom See zum Opfer, in die er sich verliebt und die ihre bei ihm erworbenen Zauberkünste dazu nutzt, ihn in einem Zauberbann gefangen zu setzen.

Mit Merlin geht nun auch der Rest keltischen Lebens in Britannien und in Europa, anfängt ein neues Zeitalter des noch nicht ganz gefestigten Christentums, das allmählich neue Bräuche und alte Weisheiten vermischen wird, bis sie eins werden. Doch lassen wir uns doch noch einmal einfangen von einer Kultur die älter ist als die unsere, lauschen den Geschichten eines älteren Zeitalters, das durch die Abenteuer eines, der nicht ganz Mensch war und darum vielleicht die Menschen nur umso besser verstanden hat, durch uns spricht...

Fortuna Offline



Beiträge: 273

20.08.2004 15:13
#2 RE: Merlin-Keltische Mythologie antworten

Artus-Keltische Mythologie

Die Sage um König Artus leitet sich von alten Keltischen Überlieferungen her ab, die erstmals von Geoffrey von Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae im 12. Jahrhundert so wie wir sie heute kennen nacherzählt wurde. Der vorher im 9. Jahrhundert bei dem Mönch Nannius erwähnte einfache „dux bellorum" (Feldherr), der im frühen 6.Jahrhundert den Eroberungsmarsch der Sachsen auf ein paar Jahrzehnte hinaus aufhielt, wird nun und für alle Dichter nach Geoffrey zum Mittelpunkt des großartigsten festländischen Sagenkreises werden, zum Vorbild des europäischen Fürsten schlechthin.

Artus ist der Sohn des Königs Uther Pendragon und Ygraines, der Gattin des Herzogs von Cornwall, seine illegitime Zeugung ermöglicht durch Merlins Zauber. Gleich nach seiner Geburt trennt Merlin ihn von seinen Eltern und übergibt ihn einer Pflegefamilie, die ihn in Unkenntnis seiner wirklichen Herkunft aufwachsen lässt. Doch Merlin hat vorgesorgt. Nach Uthers frühem Tod zerfällt das Königreich, die Fürsten sind untereinander zerstritten und die alte Römische Kultur zerfallen. Neue Invasoren drohen: die Sachsen. Merlin erschafft das Schwert im Stein, das nur der zu ziehen imstande sein wird, der rechtmäßiger Herrscher von Britannien ist. So führen die Wege des Schicksals (und der alten Druiden) Artus in jungen Jahren auf den Thron. Ausgestattet mit seinem Zauberschwert Excalibur sammelt er eine Schar von Rittern um sich, die er an der von Merlin geschaffenen Tafelrunde vereint, um Britannien zu einen und zu verteidigen. Später heiratet er die wunderschöne Fürstentochter Gwenwhyfar, sie kann ihm jedoch keine Kinder schenken. Das Verhängnis beginnt, als Artus unwissentlich mit seiner Halbschwester Morgan Le Fay einen Sohn zeugt, Mordred. Die Ritter der Tafelrunde verschwören sich der Suche nach dem Heiligen Gral, zerfällt so, die übrigen Ritter werden entzweit durch Artus Sohn und der Affäre der Königin mit Lancelot vom See, dem ersten unter ihnen, Artus bestem Freund und rechter Hand. Schließlich kommt es zum „Bürgerkrieg", Mordreds Anhänger kämpfen gegen die Anhänger des Königs. In dieser grausamen Schlacht wird Mordred von Artus getötet, bringt diesem aber selbst noch eine tödliche Wunde bei. Der todwunde König wird daraufhin von drei Feen zur Insel Avalon gebracht, die in der Anderwelt liegt, von wo er der Sage nach wiederkehren wird, wenn sein Volk ihn am meisten braucht.

Insgesamt bieten die Geschichten um König Artus und seine Ritter spannende Gefechte, Edelmut und Freundschaft, Ritterliche Tugenden, aber auch Verrat und Intrigen, Betrug und Missgunst und nicht zuletzt einen Hauch von Zauberei und Anderwelt, von Keltischen Traditionen, die in einer neueren Zeit überlebt haben. Liebe und Hass sind hier ebenso zuhause wie Zauberei. Die ganze Welt des Mittelalters breitet sich hier in den Erzählungen in einem bunten Teppich vor unseren Augen aus. Es lohnt sich, einen näheren Blick darauf zu werfen...

Wie alles begann I

In uralter Zeit herrschte in Britannien König Vortiger. Er war das Oberhaupt des kriegerischen Stammes der Gewisseer, der im Südosten von Wales siedelte, klug und ehrgeizig und ein tapferer Krieger, und er hatte längst beschlossen, einst König von Britannien zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, war ihm jedes Mittel recht und als König Konstantin, der zehn Jahre regiert hatte, durch einen Piktendolch sein Ende fand, hielt er seine Zeit für gekommen. Er nutzte seine Einfluss zunächst, um Konstantins Sohn Konstans auf den Thron zu bringen, ließ diesen aber bald darauf ermorden. Um den Schein zu wahren, ließ er auch die Mörder aufspüren und köpfen, so war der Weg auf den Thron für ihn frei. Niemand wagte sich ihm zu widersetzen, wer es tat, lebte nicht lang.

Einigen getreuen Rittern jedoch gelang es, die beiden jungen Brüder des ermordeten Königs übers Meer nach Kleinbritannien in Sicherheit zu bringen. Ihre Namen waren Aurelius Ambrosius und Uther.

Scheinbare Ruhe herrschte in Britannien, doch insgeheim begannen sich einige mächtige Grafen und Barone gegen Vortigers Willkürherrschaft aufzulehnen. Ihre Zahl wuchs, und Vortiger begann zu fürchten, dass er das gleiche Schicksal erleiden möchte, das er seinen Vorgängern selbst bereitet hatte. Und noch vor etwas anderem fürchtete er sich: der Anderwelt und ihren Geschöpfen. Zwar war das Christentum schon nach Britannien gekommen, doch der alte Glaube der Kelten war noch immer mächtig. Und gegen die dunklen Mächte gab es keinen Schutz! So versammelte er zwölf Weise um sich und befragte sie nach seiner Zukunft. Sie prophezeiten ihm einen Aufstand und so kam es auch, doch mit Hilfe der Sachsenführer Hengist und Horsa schlug er ihn nieder. Als Preis für diese Hilfe jedoch forderten die Sachsen die Grafschaft Kent. Doch das Land war in Aufruhr und blieb es auch. Vortiger wurde nach Wales vertrieben, wo ihm eine Prophezeiung sagte, dass er auf dem Berge Erith einen Turm bauen und sich darin einschließen solle. Vortigern nahm also das Vorhaben in Angriff.

Auf dem Erithberg, der eigentlich nur ein merkwürdig geformter Hügel war, begann ein emsiges Treiben. Eine riesige Grube wurde ausgehoben, Felsblöcke für Grundmauern aufgeschichtet, schwere Balken herbeigeschleppt, Steine wurden behauen und zusammengefügt. Unbarmherzig wurden die Arbeiter angetrieben. Doch um die Mitte der dritten Nacht geschah etwas: ein furchtbares Getöse erhob sich, der Hügel erzitterte wie bei einem Erdbeben und die entsetzt herbeigeeilten Menschen sahen, dass die eben errichteten Grundmauern eingestürzt und in die Tiefen der Grube versunken waren. Drei Nächte hintereinander ging das nun so, was am Tage errichtet wurde, musste am nächsten Morgen erneut wieder aufgerichtet werden. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen! Irgendjemand oder Irgendetwas schien den Bau des Turmes, der den König retten sollte, verhindern zu wollen! Voller Verzweiflung berief Vortiger wieder seine Ratgeber zu sich, doch diesmal konnte niemand ihm helfen, bis endlich jemand auf die alte Tradition verwies, in einem solchen Falle, wo das Bauwerk nicht halten wollte, einen vaterlosen Jüngling in das Fundament mit einzumauern. Alle Anwesenden waren entsetzt, kannten doch alle dieses Relikt aus uralter heidnischer Vorzeit; doch sie alle wussten auch von dem jungen Mann, den niemand kannte und der an der Küste in der Hütte eines armen Fischers lebte. Niemand wusste, woher er gekommen war oder wer seine Eltern waren. Er war eben da und auf neugierige Fragen erhielt man nur die Antwort, dass die Mutter des Jungen eine Königstochter aus Demetien sei und er seinen Vater nicht kenne.

Der Name des jungen Mannes, der den Leuten so unheimlich und verschlossen vorkam, war Merlin. Irgendeinmal erfuhr er durch Zufall von den bösen Gerüchten, die sich um ihn rankten. Er lachte darüber, doch war es kein frohes Lachen, hatte er doch schon lange das Gefühl, dass etwas mit ihm anders sei als mit anderen Menschen, als sei da noch ein Fremder in ihm, der viel mehr als er über Vergangenheit und Zukunft wisse als er und der Dinge tun konnte, die von den anderen Menschen für Teufelswerk und Zauberei gehalten wurden. An diesen unglücklichen jungen Mann nun dachten die königlichen Ratgeber. Und der König dachte auch an ihn. Doch als Merlin vor Vortiger stand- ein fast unirdisch schöner Jüngling, schlank, hochgewachsen, mit langem schwarzen Haar, das in der Sonne wie Rabengefieder glänzte und Augen, die weder blau noch grau noch grün waren sondern alles zugleich und glitzernd wie Eis- war er kein Opfer, sondern erteilte Ratschläge. Bei einer Besichtigung der Turmruine hatte er die Ursache der Störung erkannt: zwei Drachen, die durch den Baulärm aufgeschreckt worden waren und begonnen hatten, miteinander zu kämpfen. Merlin empfahl nun, den unterirdischen See abzulassen, in dem die Drachen hausten und diese dann zu entfernen. So wurde es getan; doch auf die Frage woher er das alles gewusst habe, konnte er nur zur Antwort geben, dass er möglicherweise schon älter sei als diese Geschöpfe. Und hinter der glatten Oberfläche seines Gesichts wirkte er auf einmal sehr, sehr alt ...

Wie alles begann II

Es geschah nach Merlins Rat: der unterirdische See wurde abgelassen und die toten Drachen herausgeschleift, so dass das Volk die mächtigen Kadaver bestaunen konnte, die dann später auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Der Bau des Turmes konnte nun ungestört in Angriff genommen werden.

Auf dem Wachtturm an der Ostküste aber saß Tag für Tag ein Wächter und hielt Ausschau nach den Schiffen, die Hengist und sein Heer übers Meer bringen sollten, und da es zur Zeit in Britannien ruhig blieb und niemand Vortiger in Wales angriff, schwand dessen Angst allmählich. Bald war auch der Turm fertiggestellt und sollte nun - reich mit Vorräten versehen - als sichere Zuflucht dienen.

Doch eines Tages erschien ganz plötzlich Merlin. Er kündete dem König die baldige Ankunft der Sachsen und prophezeite einen bevorstehenden Krieg, dann erinnerte er Vortiger an Uther und Aurelius Ambrosius, die, wie er sagte, ebenfalls in wenigen Tagen mit einem Heer an der Küste landen würden, um ihren Vater zu rächen und ihr Königreich zurückzuerobern.
Das bedeutete Krieg!

Düster war Merlins Prophezeiung: Hengist werde nicht siegen, sondern sterben, aber andere würden kommen und den Kampf fortführen; Vortiger selbst solle sich vor Aurelius Ambrosius hüten und vor dem Feuer, sein Schicksal sei ungewiss.
Doch Merlin ahnte mit schrecklicher Gewissheit: er hatte Vortiger zum letzten Male gesehen. Zwei Tage darauf erreichten die feindlichen Brüder mit ihrem Heer die Südküste, und wiederum einen Tag später landeten die Sachsen an der Küste der Grafschaft Kent.

Der Krieg tobte den ganzen Sommer lang, danach lag die schreckliche Ruhe des Todes über dem verheerten Land. Viele waren gefallen, auch der Sachsenkönig, und nun wurde Aurelius Ambrosius als der ältere der beiden Brüder zum König ausgerufen. Er mühte sich redlich, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und den Frieden zu sichern, doch war seine Zeit allzu kurz bemessen: einer der besiegten Sachsenführer verschaffte sich, als Mönch verkleidet, Zutritt zu ihm und vergiftete ihn.

Zu dieser Zeit ritt Uther mit kleinem Gefolge durch Wales, wo er an einem verbrannten Turm vorüberkam, von dem nur noch die Grundmauern und ein paar verkohlte Balken übriggeblieben waren. Auf einem Felsen in der Nähe saß ein Mann mit Haaren so schwarz wie Rabengefieder und Augen so hell wie das Wasser einer Quelle.
Uther sprach ihn an und Merlin offenbarte ihm den Tod seines Bruders und dass er, Uther, nun König sei. Uther machte sich voller Trauer auf den Weg in die Hauptstadt, bat Merlin aber noch, ihn zu begleiten. Lächelnd lehnte Merlin ab. Doch sie sollten sich wieder sehen.

Aurelius Ambrosius wurde mit allen Königlichen Ehren bestattet, danach rief man Uther zum König aus und das Land begann allmählich zur Normalität zurückzukehren. Als nun das Osterfest nahte, ließ Uther die Ritterschaft und deren Damen zu einer Prunkvollen Krönungsfeierlichkeit in die Hauptstadt laden. Auf dem Höhepunkt des glanzvollen Festes nun ereignete sich ein seltsames Phänomen: gegen Mitternacht war es, als plötzlich hinter dem Horizont ein grelles Licht heraufzog, ein riesiger Stern, vor dem alle anderen ihren Schein verloren. Er begann mit großer Schnelligkeit über den Himmel zu ziehen und war von seltsamer Gestalt: er sah aus wie der Kopf eines Drachen, aus dessen Rachen zwei feurige Strahlen kamen; auch der Schweif und der gezackte Rücken schienen einem Drachen zu gehören und sieben Strahlen leuchteten nach verschiedenen Richtungen. So durchraste das glühende Ungeheuer die Himmelskuppel und verschwand westwärts hinter den Bergen. Die Nacht schien nun viel dunkler als zuvor.

Erschrocken riefen die Menschen nach den Sterndeutern des Königs, doch wie durch Zauberei stand auf einmal Merlin hinter diesem und versprach, er werde Uther am nächsten Tag nach seiner Krönung die Bedeutung des Phänomens offenbaren. Ganz leise, unhörbar für die Umstehenden, flüsterte Merlin ihm noch ins Ohr: "Ich werde morgen nicht im Dom sein, wenn du gekrönt wirst. Mich dünkt, es stünde dem Sohn des Teufels übel an, die Messe zu hören. Gehab dich wohl, König Uther Pendragon!" Und während der König sich noch über diese seltsame Anrede wunderte, war Merlin schon wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen fand die große Krönungsmesse im Dom statt, doch weder dort noch bei den anschließenden Feierlichkeiten und dem Festmahl ließ sich Merlin blicken. Doch vermisste ihn der König auch nicht sehr, denn ihm gegenüber an der Tafel saß Ygerne, die Frau des Herzogs Gorlois von Cornwall, und sie dünkte ihm die schönste Frau, der er je begegnet war. Er wusste im selben Augenblick, dass er sie liebte und nie eine andere als sie lieben würde.
Daraus konnte nichts Gutes entstehen, auch das wusste er...

Als der König nun nach den Feierlichkeiten allein in seinen Räumen weilte, erschien auf einmal Merlin, um ihm die Himmelserscheinung des vorhergegangenen Abends zu deuten. Pendragon bedeutet Drachenhaupt, und er hatte den König so genannt, weil der Drache sein Zeichen war. Dessen Erscheinung am Vorabend der Krönung hatte bedeutet, dass Uther solange er leben würde, König des Reiches sein würde, über das der Drache hinweg gezogen war. Die zwei Feuerzungen, die aus seinem Rachen gekommen waren, besagten, dass zwei aus seinem Geschlecht viele Feinde bekämpfen und sie besiegen würden: Uther und sein Sohn. Und die sieben Strahlen des Drachenschweifs zeigten an, welche Länder einst unter dieser Herrschaft zu Britannien gehören würden.

Herrlich dünkten Uther Merlins Weissagungen über eine ruhmvolle Zukunft. Doch erst musste er Ygerne erlangen. So begann die Fehde zwischen König Uther und dem Herzog von Cornwall.

In aller Eile ließ der Herzog seine Burgen befestigen und mit Vorräten versehen; da er eine Entführung befürchtete, brachte er seine Gemahlin nach Tintagel, eine feste Burg an der Küste, an drei Seiten von Meer umschlossen und vom Lande her nur über einen schmalen Felsenpfad zu erreichen. Lang zog sich die Belagerung von des Herzogs befestigten Burgen hin und Uther erlitt viele Verluste. So ließ er nach Merlin schicken, ihn um Rat zu fragen und um Hilfe zu bitten.

Wie alles begann III
Merlin versprach Uther auch die Frau Ygerne und die Eroberung der beiden Burgen des Herzogs, doch stelle er dafür eine Bedingung, die er Uther aber erst nach dem Erfolg verraten wolle. Der König sicherte ihm unbesehen alles zu, so froh war er, dass Merlin ihm helfen wollte, versprach auch alles zu tun, was dieser ihn heiße.

Merlin offenbarte nun seinen Plan, den König in Verkleidung als Herzog Gorlois direkt in die feindliche Burg und das Ehebett seiner Herrin zu führen. Und so geschah es auch, ohne dass auch nur die Herzogin gemerkt hätte, dass sie nicht ihren heimgekehrten Gemahl, sondern einen Fremden umarmte. Doch in der Morgendämmerung kamen zwei erschöpfte Boten mit seltsamer Kunde: Herzog Gorlois sei in der Nacht bei der Belagerung seiner weit entfernten Burg erschlagen worden! Sofort eilte Merlin zu Ygernes Schlafgemach, den „Herzog" zu hastigem Aufbruch drängend. Er führte ihn also direkt aus der Burg, freilich nicht, ohne ihn vorher zurückverwandelt zu haben, sonst wäre Uther von seinen eigenen Mannen erschlagen worden! Als er selbst ritt er nun wieder zur Burg, die Übergabe von der Herrin, nun, da ihr Gemahl tot war und sie keinen Beschützer mehr besaß, zu fordern. Was hätte das arme Weib tun sollen? Sie flehte nur noch darum, für die Besiegten Gnade walten zu lassen. Uther sicherte ihr dieses zu, und schon nach drei Tagen sandte er Boten, die der trauernden Witwe in seinem Namen einen Heiratsantrag überbringen sollten. Und tatsächlich erhörte ihn, gegen alle Sitte, die Herzogin, so dass zwei Tage später die Hochzeit gefeiert wurde.

Bei der Hochzeitsfeier wollte nun Uther endlich Merlins Bedingung für die erteilte Hilfe wissen, ihm gar eine Burg schenken. Doch Merlin forderte etwas ganz anderes: Uthers erstgeborenen Sohn.

Der König hatte keine Wahl, und als nach einigen Monden Frau Ygernes Zeit, nach sorgsam verheimlichter Schwangerschaft, wer hätte schon verstanden, dass Uther seinen Sohn fortgab, gekommen war, war auch sogleich Merlin zur Stelle, den Knaben mit sich zu nehmen; er wolle ihn einem Edelmann namens Ector, dessen Frau auch gerade ein Kind bekommen habe, zur Pflege übergeben, er solle aufgezogen werden, wie dessen eigener Sohn. Und so geschah es.

Wie alles begann IV
Eine zeitlang schien es, als solle Britannien unter des starken König Uther Pendragons Hand zur Ruhe kommen.
Königin Ygerne schenkte noch einem Mädchen das Leben, Artus wuchs unter Merlins wachem Auge bei seinem Pflegevater, Sir Ector, zusammen mit seinem Pflegebruder Kay zu einem starken und geschickten Knaben heran.

In dieser friedlichen Zeit nun kam Uther auf den Gedanken, ein Grabmal für seinen Bruder Aurelius Ambrosius errichten zu lassen. Er fragte Merlin um Rat, der daraufhin die Steine von zwei Kreisen herbeischaffte, die vor Urzeiten von Giganten von Afrika herbeigebracht worden waren, 30 Steinpfeiler waren es und 49 Felsblöcke, ein viereckiger Block und weitere kleinere Steine. Hunderte Arbeiter, Steinmetze und Baumeister schafften es nicht, die Felsen so auf der Spitze der Pfeiler zu bringen, dass sie im Gleichgewicht waren. Doch das unmöglich scheinende wurde schließlich von Merlin selbst bewältigt…später sollte man die Steinkreise Stonehenge nennen…

Der Friede wurde nur zu bald wieder gebrochen, die Sachsen, die Uther schon besiegt hatte, kehrten an Britanniens Küste zurück. Eine Krankheit hinderte den König fast daran, sie zu besiegen, doch er raffte seine Kräfte zusammen und schlug sie auch dieses Mal, genas, und auch viele Anschläge auf sein Leben konnten verhindert werden. Er pflegte jedoch stets aus einer Quelle zu trinken, die nahe der Burg entsprang, als die Feinde die vergifteten, starben er und noch viele seines Gefolges, ehe es entdeckt und die Quelle zugeschüttet wurde.
Uther wurde in Stonehenge neben seinem Bruder bestattet; zu dieser Zeit war Artus 15 Jahre alt…

Das Schwert im Stein

Nach Uthers Tod brachen unter den Edlen im Reich Unruhen aus, da sie wähnten, der König habe keinen Erben gehabt, und nun alle nach der Macht strebten. Da begab sich Merlin drei Tage vor dem Weihnachtsfest zum Erzbischof von Canterbury, offenbarte ihm Artus´ Existenz und bat ihn, die Edelleute zusammenzurufen, was dieser auch tat. Den Versammelten stellte daraufhin Merlin Artus als Uthers Sohn vor, woraufhin ein großer Tumult ausbrach. Kaum einer wollte Merlins Wort akzeptieren, obwohl es viele immerhin für möglich hielten. Der Bischof entschied daraufhin, dass in den drei Tagen bis zum Weihnachtsfeste gebetet werden sollte, dass Gott einen Fingerzeig gebe und die Wahrheit offenbare.

Am Morgen des Weihnachtsfestes strömte alles Volk zur Messe in den Dom. Nur ein Mann hatte sich verspätet und sah auf einmal etwas auf dem Domplatz, das nie zuvor da gewesen war, ein großer Felsblock, von Schriftzeichen umgeben, in dem ein Schwert steckte. Er gab die Nachricht weiter und die Menschen strömten auf den Vorplatz, um das Wunder zu bestaunen, die Messe war vergessen. Der Erzbischof verkündete schließlich dem Volk, was dort wundersames geschrieben stand:“ Wer dieses Schwert aus dem Stein zu ziehen vermag, der ist der rechtmäßige König von Britannien.“, und verkündete auch den Namen des Schwertes, der auf dem Knauf eingraviert war: Excalibur.

Viele Ritter versuchten nun, das Schwert aus dem Stein zu ziehen, keinem jedoch gelang es. Daraufhin setzte der Bischof für den Neujahrtag ein großes Turnier an, bei dem jeder Edle Gelegenheit haben sollte, sich an dem Schwert zu versuchen. Und so strömte zu Neujahr alles Volk zum großen Turnier vor der Stadt Carlion.
Auch Sir Ector war gekommen und mit ihm sein Sohn Kay und Artus, der diesem als Schildknappe dienen sollte. Da es aber Kays erstes Turnier war, war er sehr aufgeregt und vergaß sein Schwert in der Herberge. Entsetzt bat er daraufhin Artus, er möge doch zurücklaufen und ihm sein Schwert rechtzeitig zu Turnierbeginn holen. Artus eilte, doch als er dort anlangte, war die Herberge geschlossen. Aber er brauchte doch ein Schwert für Kay! Ziellos eilte er durch die Straßen, bis er endlich am Domplatz anlangte, wo ein Schwert in einem Felsblock steckte…

Eigentlich rechnete er nicht wirklich damit, das Schwert aus dem Stein ziehen zu können, doch als er es in seiner Verzweiflung versuchte, ließ es sich ganz leicht herausziehen. Er erschrak, doch Kay brauchte ein Schwert für das Turnier, also brachte er es zu ihm. Kay erkannte sogleich, was das für ein Schwert war und berichtete seinem Vater, der sofort dem Erzbischof Meldung machte. Dieser ließ sofort das Turnier abbrechen und verkündete die Neuigkeit. Doch die versammelten Ritter mochten nicht glauben, dass der Knabe Artus das geschafft habe, was ihnen nicht gelungen war und forderten einen Beweis, so machten sich alle wieder zum Domplatz auf, wo Artus abermals das Schwert in den Stein stieß. Wiederum versuchten alle anwesenden Edlen, das Schwert aus dem Stein zu ziehen, doch keinem war Erfolg beschieden. Nur Artus vermochte wiederum mit Leichtigkeit, das Schwert aus dem Stein zu befreien. So ging es noch einmal zum Osterfeste, und damit war Artus endgültig zum König von Britannien erklärt, nur sechs Herrscher, die sich selbst Könige nannten, weigerten sich weiterhin, ihn anzuerkennen. Artus wurde nun zum Ritter geschlagen und es wurde beschlossen, er solle zu Pfingsten zum König von Britannien gekrönt werden.

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20.08.2004 15:18
#3 RE: Merlin-Keltische Mythologie antworten

Parzival und die Gralssuche-keltische Mythologie

Parzivals Jugend und Auszug in die Welt


Als Parzival als Sohn von König Gahmuret von Anschouwe und dessen Gemahlin Herzeloide geboren wird, ist sein Vater schon tot, gefallen durch Verrat im Morgenland. Die verwitwete Königin kann die Ländereien nicht zusammenhalten und als sie die Kunde erreicht, man trachte ihrem Sohn nach dem Leben, beschließt sie, ihn in einer abgelegenen Einöde großzuziehen, damit er in Frieden und Sicherheit aufwachsen könne, fern der Welt voll Falschheit und Kampf. Nur der alte Knappe ihres Mannes und einige wenige Edelfrauen begleiten sie. Sie alle müssen ihr einen Eid ablegen: niemals soll ihr Sohn von Ritterschaft, Kampf und Abenteuer erfahren, auf dass er für immer bei ihr bleiben würde und nicht wie sein Vater zugrunde gehen.

Parzival wächst groß und stark heran, nach dem Willen seiner Mutter in völliger Unschuld und des Lebens außerhalb der kleinen Gemeinschaft nicht gewahr. Doch die Unschuld wird bedroht. Anhand von Jagdbeute lernt Parzival das Konzept des Todes kennen. Karrenspuren machen ihm deutlich, dass es irgendwo noch mehr geben muss als seine beschränkte kleine Welt. Von nun an ist er unruhig, doch fest entschlossen, seinem unbestimmten Freiheitsdrang zum Trotz, bei seiner Mutter zu bleiben.

Der Zufall macht seinen Entschluss zunichte, als ihm im Wald Ritter begegnen, die er in seiner Unwissenheit zunächst für Gott und seine Engel hält. Die Fremden erzählen ihm von König Artus, der ihm auch die Ritterschaft verleihen könne. Nichts hält ihn mehr: er muss fort! Die Königin lässt ihm zum Abschied ein Narrengewand machen, in der Hoffnung, er möge von allen ausgelacht werden und so bald zu ihr zurückkehren. Sie erzählt ihm nun auch von seiner Herkunft und gibt ihm die guten Ratschläge mit auf den Weg, ältere Männer zu ehren und edle Frauen mit einem Kuss zu begrüßen, auch solle er eventuelle Ringgaben dieser Frauen in hohen Ehren halten.

Solcherart gut gerüstet, reitet Parzival nun auf einem uralten Klepper in die Welt hinaus.

Das erste, was Parzival erblickt, als er aus dem Wald kommt, ist ein großes purpurfarbenes Zelt mit goldenen Borten und einem flatternden Wimpel an der Spitze. Hinter diesem steht noch ein kleineres aus Leinwand. Neugierig betritt Parzival das prächtige Zelt und erblickt dort schlafend eine wunderschöne Frau. Eingedenk der Ratschläge seiner Mutter küsst er sie wach, um sie um einen Ring zu bitten. Sie hält ihn für nicht ganz richtig im Kopf, ist aber so überrumpelt, dass sie ihn bewirtet und ihm widerstandslos einen Ring und eine Brosche überlässt. Daraufhin reitet Parzival weiter. Als der eifersüchtige Ehemann der Herzogin zurückkehrt, bemerkt er den Verlust sowohl seines Abendessens als auch des Schmucks und schwört blutige Rache, bis er diese erlangt haben wird, wird die Herzogin alles Schmucks, aller schönen Kleider und aller Privilegien ihres Standes beraubt. So hat Parzival in aller Unschuld ein großes Unrecht angerichtet und zieht nun unbekümmert weiter in die Welt hinaus.

Der Kampf um KönigArturs Becher

Der Abend nähert sich schon in Stille, da hört er in einem Wald plötzlich ein Weinen. Der Stimme folgend, gelangt er an eine Lichtung, auf der offensichtlich ein Kampf stattgefunden hat; ein weinendes Mägdelein, in dem er alsbald seine Base Sigune erkennt, hält den Kopf eines toten Ritters in seinem Schoß, der im Zweikampf von Herzog Orilus besiegt worden ist. Parzival will sogleich zum Rächer werden, doch wird ihm dieses mit Hinweis auf seine Jugend und mangelnde Bewaffnung untersagt. Er reitet also fort und gelangt bald an eine elende Hütte, wo er um Nachtquartier bittet, was ihm aber verwehrt wird, woraufhin er die Spange der Herzogin als Bezahlung offeriert. Nun wird er eingelassen, erhält auch ein Nachtmahl und eine Schlafstelle, doch als er in der Nacht zufällig erwacht, belauscht er den Plan seiner freundlichen Gastgeber, ihn zu berauben und vereitelt nun freilich die Tat.

Am nächsten Morgen setzt er unbehelligt seinen Weg nach Nantes fort. Und so sehr er sich schon an das Angegafftwerden gewöhnt hat- welch Wunder bei seinem Anblick im Narrengewande auf seinem elendigen Klepper- verdrießt es ihn dennoch arg.

Endlich ist die Stadt erreicht. Und welch ein Anblick, als er das Stadttor erreicht und just in dem Moment ein Ritter herausreitet, in rotem Harnisch, rotem Beingewand rotem Mantel, alles rot bis hin zu dem prächtigen Hengst! Hart zügelt der Ritter vor Parzival den Rotfuchs. Er hält einen goldenen Becher in der Hand, den er gerade eben in einem tollen Streich von des Königs Tafel entwendet habe, wie er stolz erzählt, Parzival bittend, als sein Bote zum König zu gehen und kundzutun, dass keine böse Absicht im Spiele gewesen sei, er, der Rote Ritter sei bereit, eine Zweikampf mit einem der Mannen des Königs um den Besitz des Goldenen Bechers auszutragen. Auch bittet er auszurichten, dass er keineswegs eine Beleidigung der Königin beabsichtigt hätte. Er verspricht Parzival für die Ausführung dieses Auftrages die Erfüllung eines Wunsches…

Freilich wird der junge Held von den Wachen am Tor erst einmal abgewiesen, doch kommt ihm ein junger Knappe zu Hilfe: Iwanet, der Neffe der Königin Guinevere. So gelangt Parzival also endlich zum großen König Artus und seiner berühmten Tafelrunde! Nun will er nicht länger warten, er will auch endlich ein Ritter sein!

Er richtet also aus, was ihm der Rote Ritter aufgetragen, und trägt dann auch noch sein eigenes Anliegen vor. Und da Artus ihn bescheidet, ein Ritter brauche doch wenigsten Waffen und Rüstung, aber ablehnt, dem Roten Ritter einfach zu befehlen, die seinigen an Parzival abzutreten, bleibt nur noch der Weg, einen Ritter im Kampf zu besiegen, um der Eigentümer seiner Habe zu werden. So beschließt also Parzival, den Kampf um des Königs Becher aufzunehmen, um für sich Rüstung und Waffen des Roten Ritters zu erlangen.

Freilich nimmt dieser den ungewöhnlichen Kämpen nicht ernst, wirft ihn mit dem stumpfen Ende der Lanze mühelos aus dem Sattel. Doch nun ist Parzival erbost, ohne weiteres Besinnen wirft er seinen Speer und trifft so unglücklich, dass der Ritter tot aus dem Sattel sinkt. Nun ist sein Wunsch erfüllt, Ross und Rüstung des Toten gehören rechtmäßig ihm. Doch warum fühlt sich alles auf einmal so falsch an?

Iwanet hilft nun, die Rüstung umzuschnallen, doch es wird ein merkwürdiges Unterfangen, da Parzival sich weigert, die von seiner Mutter geschneiderten Kleider abzulegen. So bittet er denn Iwanet, den Becher zum König zurückzubringen und reitet mit dem Narrengewand unter der edlen Rüstung auf seinem feurigen Hengst in die Welt hinaus…

Der Ritter Gurnemanz - Die Befreiung Konduiramur

„Und nun willst du also ein Ritter sein, Parzival. Aber unter dem roten Samtmantel und dem glänzenden Harnisch trägst du noch immer das Torenkleid und darunter bist du noch immer nichts anderes als ein großer törichter Knabe. Du weißt es nur nicht."

Parzival reitet durch die Nacht, ohne Sinn und Ziel. Als es hell wird, merkt er, dass ihm überall mit Respekt Platz geschaffen wird; doch gilt dieser Respekt nicht ihm, sondern dem, der er in seiner Rüstung zu sein scheint.

Wiederum gegen Abend nun gelangt er zur Burg des Ritters Gurnemanz, der ihn - obwohl befremdet ob des Fremden in so bekannter Rüstung - gastfreundlich aufnimmt. Und als Parzival seine Geschichte erst erzählt hat, wird er nun wirklich von dem freundlichen alten Ritter aufgenommen, der ihm eine höfische Ausbildung angedeihen lässt. Drei ganze Jahre wird diese Lehrzeit dauern. Und viel weise Ratschläge bekommt Parzival mit auf den Weg: er soll immer das rechte Maß halten, kühn sein, aber nicht wagemutig, nie Schwächere angreifen und den Besiegten Gnade gewähren, ohne sie zu demütigen, nicht geizig sein, aber auch nicht verschwenderisch, zu geringeren Leuten soll er freundlich sein, sich nicht mit liederlichem Volk einlassen. Auch soll er niemals Neugier zeigen, wenn er etwas sieht, das er nicht begreift und keine Fragen stellen. Das gelte als unhöfisches Benehmen. Dann soll er selbstverständlich den Unterdrückten und Verfolgten stets beistehen und den Frauen dienen, die dessen würdig sind, doch niemals ihr Knecht werden.

Diese und andere gute Ratschläge erhält Parzival in seiner Lehrzeit. Doch etwas Entscheidendes fehlt bei diesen Lehren, und daraus wird noch viel Leid entstehen. Noch vieles hätte er zu lernen, doch weiß er es immer noch nicht.

So zieht Parzival also, in allen Ritterlichen Künsten und Tugenden wohl unterwiesen, in die Welt hinaus, Abenteuer zu bestehen. Er will Königin Konduiramur befreien, deren Stadt belagert wird von Klamide, dem Fürsten von Brandigan, welcher so ihre Einwilligung zur Hochzeit zu erzwingen hofft.

Bald erreicht Parzival auf seinem trefflichen Hengst die belagerte Stadt, allein, alles dünkt ihn seltsam friedlich für einen Krieg. Bald erfährt er auch den Grund: die Stadt soll nicht durch Kampf bezwungen, sondern ausgehungert und so die Königin zur Aufgabe gezwungen werden. Deshalb war unser Held auch nicht gehindert worden, sich der Stadt zu nähern; sollte er doch ruhig mit den Bewohnern dort verhungern!

Nun wird er also der Königin als ihr Kämpfer vorgestellt. Sie scheint ihm die schönste Frau zu sein, der er je begegnet ist, aber so traurig! Um so entschlossener zieht er in den Kampf. Zuerst besiegt er den Seneschall, der für seinen Herrn antritt; der muss sich ergeben und wird von Parzival zu König Artus geschickt, ihm von dem Sieg zu künden und der Hofdame Frau Cunnaware zu Diensten zu sein. Genauso ergeht es in der Folge den restlichen sechs Dienstmannen des Fürsten, der daraufhin am folgenden Tage nun selbst gegen Parzival antreten muss. Und auch ihm selbst ergeht es nicht besser: am folgenden Abend befindet er sich ebenfalls übel zugerichtet auf dem Weg zur Residenz König Artus` und in den Dienst an der Hofdame.

Die gerettete Königin Konduiramur aber ist Parzival so dankbar für ihre Rettung, dass sie ihn drei Monde später zum Manne nimmt

Die Burg des Fischerkönigs

Es verfließen aber die Monate der jungen Ehe und Parzival beginnt inmitten seines Glückes an seine Mutter zu denken, die noch immer in ihrer Waldeinsamkeit darbt. Nie wieder, seit er sie verlassen, hat er von ihr gehört, und so macht er sich denn auf, sie zu besuchen.

Da er vermeint, den Weg genau zu kennen, reitet er abseits der großen Straße, quer durch immer unwirtlicher werdendes Gelände, bis er endlich an ein Gewässer gelangt, in dem ein paar Männer - wohlhabende Ritter, will es ihm scheinen - recht lustlos ihre Netze zum fischen ausgeworfen haben. In einem der Boote sitzt ein kostbar gekleideter Ritter, doch scheint er krank; so bleich, so schwach, von so vielen Polstern gestützt sitzt er da.

Parzival grüßt, empfängt herzlichsten Gegengruß; fast scheint es, man habe ihn erwartet, so seltsam sehen ihn die Männer an; irgendetwas scheint an ihm, dass verborgene Hoffnungen belebt. Er wird ob dieser unerklärlichen Haltung ihm gegenüber unwirsch, will nur noch nach langem Ritt zu einer gastlichen Herberge gelangen, wird aufs allerdringlichste mehrmals auf die nahe stehende Burg verwiesen; der Pförtner werde ihn aufs herzlichste empfangen, wenn er angibt, vom Fischer geschickt zu sein … und so geschieht es auch. Was bleibt ihm eine andere Wahl: weit und breit ist keine andere Nächtigungsmöglichkeit, doch beschließt er bei sich, am anderen Morgen diesen seltsamen Ort schnellstens zu verlassen, der ihm allmählich so unheimlich erscheint. Ist er wirklich noch in seiner Welt, oder ist er an einen gänzlich anderen Ort gelangt, an dem ihm unbekannte Gesetze herrschen mögen…?

Er wird wie ein lang ersehnter Ehrengast behandelt, die Königin sendet ihm einen kostbaren Mantel als Geschenk, versehen mit dem gleichen Emblem, einer eingestickten silbernen Taube, das hier alle tragen, der König selbst, Amfortas, lässt ihn zum Abendessen bitten.

Parzival gelangt in einen reich und kostbar geschmückten Saal; und wahrhaftig: der Mann an der Stirnseite der Halle, der König, ist der Fischer, den er am Nachmittage getroffen! Er winkt Parzival zu sich, auf dem Weg durch die Halle verneigen sich alle Anwesenden tief vor ihm. Und wiederum ist Parzival verwirrt und verunsichert: was hat er getan, solche Ehren zu verdienen? Und auch der König grüßt ihn nun mit Freude und Ehrerbietigkeit…

Nun jedoch tritt jemand in den Saal, der so gar nicht in die allesbeherrschende Pracht zu passen scheint: ein Knappe ist es, der einen alten zerbeulten Harnisch trägt und in der Hand eine Lanze hält. Langsam schreitet er durch den Saal, gelangt zum Hochsitz des Königs; kurz zögert er vor Parzival, scheint auf etwas zu warten. Alle scheinen mit einem Male auf etwas zu warten. Parzival wirft einen Blick auf die Lanze: die Spitze ist gefärbt wie von getrocknetem Blut … aber was geht ihn das an?

Der Knappe schreitet vorbei.

Durch eine andere Tür tritt nun ein Zug junger Mädchen in den Saal, immer zwei nebeneinander im gleichen weißen Gewand, Blumenkränze im Haar. Die ersten tragen einen Tisch mit elfenbeinernen Füßen und einer geschliffenen Platte, den sie vor dem Könige hinstellen, die nächsten stellen goldene Leuchter mit brennenden Kerzen darauf, wieder andere kristallene Trinkgefäße, goldene Schüsseln und allerlei kostbares Tischgerät. Zuletzt folgt eine wunderschöne Jungfrau in grünem Samtgewand, mit einer Krone auf dem Haupt, die etwas in den Händen hält, das Parzival nicht genau erkennen kann. Es sieht aus wie eine große glänzende Schale, von der ein überwältigendes Leuchten ausgeht.

Jeder im Saal hat nun die wunderbarsten Speisen vor sich, bis auf den König, vor dem nur ein Stück Brot liegt. Und noch immer ist nichts von einer fröhlichen Stimmung zu verspüren.

Die Hohe Königin trägt wortlos mit ihrem Gefolge den Gral wieder fort. Und für einen Augenblick erhascht Parzival, als er ihr durch die sich schließende Tür nachblickt, einen Blick auf ein kleines Gemach, in dem auf einem Ruhebett ein Greis mit langem weißen Haar schläft.

Der Knappe im zerbeulten Harnisch bringt Parzival nun ein kostbares Schwert; dieses ist ein Geschenk von Amfortas. Er bedürfe dessen nicht mehr, da das Unheil über ihn gekommen sei.

Und auch dieses Geschenk nimmt Parzival fraglos hin, begibt sich dann zur Nachtruhe, aus der er am nächsten Morgen nach unruhigen Träumen erwacht und eine verlassene Burg vorfindet.

Nur fort von hier, fort von diesem unheimlichen, rätselhaften Ort so denkt er und flieht aus der Burg, so schnell ihn sein treues Ross trägt. Nur der alte Knappe zieht hinter ihm die Zugbrücke hoch und ruft ihm noch eine Verwünschung hinterher.

Sigune und Jeschute

Parzival reitet also von der Gralsburg fort, sich seines Fehlers nicht gewahr. Wohl grübelt er, was er denn wohl falsch gemacht habe; doch vermag er nicht einzusehen, dass es seine Aufgabe gewesen sei, eine einzige mitleidige Frage zu stellen.
So reitet er denn ziellos dahin.

Nach einiger Zeit gelangt er zu einer Lichtung, die bewohnt scheint; ein Eremit mag so leben. Doch es ist seine Cousine Sigune, die hier in der Waldeinsamkeit noch nach all der Zeit am einbalsamierten Körper ihres Ehemannes die Totenwache hält. Parzival fröstelt es.

Er erzählt ihr, wo er gewesen ist. Doch dann muss er auch sein Versagen beichten. Und nun, da er von seiner Cousine erfahren hat, dass es sich bei Amfortas um seinen Oheim handle, scheint dieses noch schwerer zu wiegen.
Trotzig reitet Parzival von dannen.

Auf seinem Weg begegnet ihm eine mehr als armselig gekleidete Frau, die auf einer elenden Mähre dahinreitet. Er erkennt sie erst auf den zweiten Blick; es ist Jeschute, die noch immer die Rache ihres eifersüchtigen Ehemannes zu erdulden hat. Und der lässt auch nicht lange auf sich warten, stürmt mit eingelegter Lanze auf Parzival los, dass dieser Mühe hat, sich noch zu verteidigen. Doch auch diesen Kampf gewinnt Parzival; danach ist die Zeit gekommen, dem Herzog zu berichten, was sich damals wirklich zugetragen hat. Und der Herzog, besiegt, muss nun zwei Aufgaben erfüllen: erstens, seine Gemahlin wieder in allen Ehren aufnehmen, was er auch gern tut, und zweitens, an den Hof König Artus reiten, um von seinem Bezwinger zu künden.
Und wieder reitet Parzival weiter. Diesmal in der Gewissheit, einen alten Fehler wenigstens zu einem Teil wieder gutgemacht zu haben.
Unterwegs, als er einmal rastet, begegnet er einem Falken, der sich ihm sonderbarerweise zugehörig zu fühlen scheint.

Die Hexe Kundrie
Er gelangt an eine Lichtung, auf der ein Zeltlager aufgestellt ist. Doch ist es noch zu früh am Tag, niemand scheint wach. Im selben Moment stiebt vom Waldrand eine Schar Wildgänse auf, der Falke fährt mitten darunter, Blut verunziert den Schnee und Parzival - er scheint verzaubert, nimmt seine Umwelt nicht mehr wahr. Und das ist ein Fehler, denn das Lager vor ihm ist kein anderes als das des Königs Artus, der so viel schon von seinem Ruhm vernommen hat und ihm daraufhin entgegengezogen ist. Und als das Lager nun erwacht, erwachen auch die jungen Heißsporne, die darauf brennen, sich mit dem berühmten Kämpfer zu messen. Dreimal muss der in die Betrachtung des blutigen Mals versunkene Parzival einen Kampf bestehen, und dreimal rettet ihn nur sein vortrefflich ausgebildetes Pferd, dass ihn mit Ausweichbewegungen aus seiner Trance weckt und ihm erst Gelegenheit verschafft, sich zu wehren.
Zuletzt kommt dann Herr Gawain, um ihn zum König zu führen, bemerkt seine Bezauberung und macht dem ein Ende, indem er das Mal im Schnee mit dem Mantel verdeckt.
So ist Parzival denn am Ziel seiner Wünsche, denkt er. Ein Platz an König Artus Runder Tafel ist sein!

Doch seine Freude wird nicht lange währen. Sein Schicksal naht in der Gestalt von Kundrie, der Hexe. Sie verkündet Artus, Parzival sei eines Platzes an seiner Tafel nicht würdig. Und Gawain, dem neuen Freund Parzivals, offenbart sie, dass ein böser Zauberer seine Schwester entführt habe und diese auf seinem Zauberschloss gefangen halte.
So muss Gawain sich denn aufmachen, seine Schwester zu erlösen, und auch Parzival kann nicht an Artus Hof bleiben.

Gawain bittet ihn noch, mit ihm zusammen aufzubrechen, doch Parzival muss allein reisen. Er ist verzweifelt, hadert mit seinem Schicksal und mit Gott, denn er weiß, dass er nicht wieder froh sein wird, bis er den Gral ein zweites Mal gefunden hat. Erst muss er sich jedoch würdig erweisen; doch jeder scheint an ihm zu zweifeln.
So begleitet ihn auf seinem Weg nur das Versprechen des treuen Gawain, dass dieser ihn suchen und begleiten werde, sobald er seine Schwester erlöst habe.

Gawain zieht also ebenso wie Parzival auf eine Queste, besteht währenddessen so manches ritterliche Abenteuer, lauscht auch immer auf Kunde von seinem Freund Parzival. Oft hört er von ihm, doch niemals holt er ihn ein.


Die Rückkehr zur Gralsburg

Monde vergehen, und endlich gelangt Parzival wieder zu Sigunes Klause. Nun ist Parzival also wieder ganz in der Nähe der Gralsburg, will sie auch endlich finden; seit Ewigkeiten, dünkt es ihn, reitet er immer in Kreisen um Monsalvat herum, ohne jemals einen Weg dorthin gefunden zu haben.

Auf seinem Weg begegnet ihm ein Ritter, unbewaffnet, augenscheinlich von Monsalvat, der ihn anspricht, verwundert, dass er am heutigen Tage Waffen trage.
Was für ein besonderer Tag soll denn dies nun sein? Und warum ist er unfähig, einfach dem Fremden zur Gralsburg zu folgen?

Eine Prozession frommer Männer kommt ihm entgegen. Endlich erfährt er, dass Karfreitag ist. Er folgt den Männern zur Einsiedelei des Trevrezent, erstaunt über sich selber, doch von einer inneren Macht gedrängt. Trevrezent nimmt sich Parzivals an; er sorgt gut für ihn, dann erzählt er ihm die Geschichte der Gralsburg und ihrer Herren.

Auch Parzival ist einer der Abkömmlinge der Herren der Gralsburg, wie er nun erkennen muss. Trevrezent ist sein Onkel, der Bruder seiner Mutter! Doch sie ist verstorben, an Herzeleid, als Parzival sie verließ, muss er nun erfahren. Eine Beichte, eine Lebensbeichte bricht aus ihm hervor; er, er allein ist Schuld am Tod der Mutter, er ist Schuld, dass der Gralskönig noch immer leiden muss, er hat so viele Dinge in seinem Leben falsch gemacht, wollte selbst von Gott nichts mehr wissen.
Als Ostern vorüber ist, nimmt Parzival Abschied von seinem Oheim. Mit dessen Segen und dessen Rüstung mit dem Emblem der Gralsritter nimmt er Abschied. Noch fühlt er sich nicht würdig, sie zu tragen.

Unterdessen hat Gawain unter vielen Mühen seine Schwester aus dem Schloss des bösen Zauberers befreien können und die schöne Herzogin Orgeluse kennen gelernt. Und wieder haben er und Parzival sich um Haaresbreite verpasst.
Gawain möchte nun die Herzogin heiraten, doch will sie nur zustimmen, wenn er zuvor eine ihm gestellte Aufgabe erfüllen kann. Um das zu erreichen, muss er am folgenden Tag einen Kampf bestehen; aber er weiß nicht, gegen wen er kämpft: es ist Parzival, der ihn aber gleichermaßen nicht erkennt. Doch schont er trotzdem den verwundeten Gawain; bis König Artus, der mittlerweile auch am Schauplatz eingetroffen ist, dazwischengeht. Und so wird nun auf dem Schloss der Herzogin zum großen Hochzeitsfest gerichtet.

Nur Parzival, schwermütig, sondert sich von der Masse der Feiernden ab, unternimmt einen Ritt. Unterwegs hat er eine Begegnung, ihm entgegen zieht sein legendärer Halbbruder Feirefiss, der Sohn seines Vaters mit einer Sarazenenfürstin; nicht von heller Haut und hellem Haar, auch nicht dunkel, sondern gefleckt. Er führt in an Artus Hof, ihn dessen Obhut anzuvertrauen. Dort angekommen, wartet Kundrie.
Doch diesmal bringt sie frohe Kunde: Parzival wird auf die Gralsburg berufen, die Zeit seiner Prüfungen ist vorüber!

Parzival scheidet also; sein Bruder will ihn begleiten, doch legt Parzival ihm erst nahe, den christlichen Glauben anzunehmen, da sonst auf der christlichen Gralsburg kein Platz für ihn sei.
Auf der Gralsburg angekommen, stellt Parzival endlich die alles erlösende Frage und zeigt Mitleid, woraufhin Amfortas endlich genesen kann. Parzival ist der neue Gralskönig.
Und nun trifft auch endlich seine so schmerzlich vermisste Gemahlin ein, die von Kundrie eilends herbeigeholt worden war. Mit sich führt sie ihren und Parzivals Sohn Lohengrin.

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