Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  
logo
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 525 mal aufgerufen
 Bücher, Cds
Fortuna Offline



Beiträge: 273

20.10.2004 12:24
RE: Dion Fortune antworten

Dion Fortune
1890-1946 erst Mitglied der Theosophischen Gesellschaft, dann Mitglied des berühmten Golden Dawn Ordens. Gründete 1922 Die "Society of the Inner Light". Arbeitete zeitweise als Psychoanalytikerin und gilt als eine der bedeutendsten Autoritäten auf dem Gebiet des Okkultismus.






Die Seepristerin

Aus: Die Seepriesterin von Dion Fortune

Göttinen

Dann schilderte sie mir, wie sich die Alten die Priester vorgestellt hatten - als Medien; aber es war nicht der personalisierte Gott, der durch den besessenen und erleuchteten Priester sprach oder durch die Pythia, denn der personalisierte Gott ist die Form, in der der Mensch sich diese Mächte erklärt.

Der wahre Gott ist anders.
Der Priester des Gottes entwickelte seine Kräfte weiter.
Was in ihm ruhte, kam frei, und er wurde für kurze Zeit so, wie alle Menschen wären, wenn sie sich weiterentwickelten."
Was sind dann die Götter?
Die Götter mögen es wissen, wir wissen nur eins: Wenn wir bestimmte Dinge tun, werden wir weiterkommen.
Und was sind diese ,bestimmten Dinge'?
"Ich werde es dir sagen", meinte sie und erzählte weiter:

Durch seine männliche Natur birgt jeder Mann in sich die Gabe, ein Priester zu sein, und dasselbe gilt für die Frau; denn der Göttliche Funke schuf die Welt, indem er seine ungeteilte Einheit in die sich offenbarende Dualität teilte, und wir, als Ergebnis der Schöpfung, sind durch unser Leben Ausdruck der unsterblichen Wirklichkeit.

Jede lebende Seele hat ihren Ursprung im Göttlichen Funken und erhält von ihm ihre Lebenskraft, und wenn wir zum Urquell zurückgehen, finden wir die Erfüllung unseres Seins.

Weil wir aber beschränkte und unvollkommene Lebewesen sind, können wir das Unendliche in seiner Ganzheit nicht erkennen. Wir, in der Form unseres Körpers gefangen, können das Formlose nur soweit begreifen, wie es sich unser Geist, der nur diese eine Form kennt, vorstellen kann.
Und dies, fuhr Morgan le Fay fort, ist nicht sehr viel, auch wenn die Physiker um einiges weitergehen.
Wir, Wilfred, die wir Mann und Frau sind und Gott erkennen wollen, wie Er sich in der Natur offenbart - wir sehen den lichtvollen Ausdruck des Ewigen in den wunderbaren Gestalten der Götter.
Und auf diese Art und Weise lernen wir mehr und tun wir mehr, als wenn wir nach abstrakten Inhalten streben wurden, die uns ohnehin verborgen bleiben. Der Mondpriester, dessen Schülerin sie gewesen war, hatte sie gebeten, zum Urquell zurückzugehen und sich dem Einen zu weihen und allen niedrigeren Formen der Menschwerdung zu entsagen. Nachdem sie sich dem Einen geweiht, jene Verwirklichung gewonnen und die Wurzeln ihres Seins gefunden hatte, ließ er sie erkennen, wie sich das Leben in allen Dingen offenbart, und damit auch in ihr selbst. Und er lehrte sie, daß das Leben zwei Arten oder Aspekte hat: das agierende, dynamische, stimulierende - und das latente und potente, das den Reiz aufnimmt und darauf reagiert.

Er zeigte ihr, wie sie ihre Plätze tauschen in einem ewigen Wechsel von Geben und Nehmen, Kraft sammelnd und abgebend, niemals im Gleichgewicht, immer im Fluß wie Ebbe und Flut, gleich dem Mond und der See und den Gezeiten des Lebens - steigend und fallend, zunehmend und abnehmend, aufbauend und zusammenfallend im Tanz des Lebens zu Sphärenklängen. Er zeigte ihr auch, wie der Lauf der Sonne durch den Sternengürtel des Tierkreises den größten aller Zyklen darstellt. Und der Lauf der Gestirne im Tierkreis, fuhr sie fort, ist die Quelle des Glaubens.

Heutzutage tritt die Sonne in das Zeichen des Wassermanns, das Symbol des Menschen.
Die alten Götter kehren zurück, und der Mensch findet Aphrodite, Ares und den großen Zeus in seinem eigenen Herzen. Dies ist der Beginn des neuen Zeitalters.
Morgan le Fay erzählte mir, daß sie für sich den Kult der Großen Göttin gewählt hatte, der Urmutter.
Diese Göttin werde symbolisiert durch den Kosmos, die See und die Erde.
Sie war Rhea und Ge und Persephone, aber vor allem war sie Unsere Mutter Isis, in der sich alle diese Göttinnen vereinten; denn Isis ist beides - Göttin der keimenden Saat und Königin der Toten, zu denen auch die Ungeborenen gehören, und sie trägt die Mondsichel auf ihrem Haupt.
Sie ist aber auch die See, denn das Leben entstand in der See, und in ihrem dynamischen Aspekt entstieg sie den Wellen als Aphrodite.

Und Morgan le Fay, diesen Dingen weiter auf der Spur, hatte die Symbole der einzelnen Kulte studiert, denn alle verehrten dieselbe Macht unter verschiedenen Namen und unter verschiedenen Aspekten, bis sie schließlich das fand, was ihrer Natur entsprach - weder den strengen ägyptischen Glauben noch die strahlenden Götter der Griechen, sondern den urbretonischen Kult, der seine Wurzeln in Atlantis hatte, das die dunklen ionischen Kelten mit den Bretonen und Basken teilen.
Dieser Kult, erklärte sie, ist älter als die Götter des Nordens, und in ihm liegt die größte Weisheit,
denn die Götter des Nordens sind ohne Geist, sie sind Ausdruck der Form, die ihr kämpfende Menschen gegeben haben.

Die Große Göttin ist älter noch als die Götter, die die Götter schufen, denn die Menschen kannten die Rolle der Mutter, lange bevor sie die Rolle verstanden, die der Vater spielte; sie beteten den Vogel der Unendlichkeit an, der das Urei legte, lange bevor sie die Sonne als die alles schaffende Kraft verehrten. Die Bibel wie auch die Felsen bezeugen, daß alles Leben aus der See stammt, und sie haben recht, denn es gab eine Zeit, da bedeckte Wasser das Land. Dann kam die Zeit, da sie den Plan des Vaters erfuhren, sie suchten in der Natur den befruchtenden Vater und erkannten, daß es die Sonne war. So beteten sie die Sonne an genauso wie die See; aber der Seekult ist älter, denn die See ist die Große Mutter.

In meiner Verehrung des Mondes und der See, fuhr Morgan le Fay fort, hatte ich den passiven Teil gewählt. Ich mußte auf die befruchtende Kraft warten, und ich warte immer noch. Könnte es sein, fragte ich, daß ich diesen Teil übernehmen soll, Morgan le Fay, weil ich dich liebe? Mag sein, wir können es nur versuchen. Aber es spielt keine Rolle, ob du mich liebst oder nicht, wenn du nur die Energie durchbringen kannst. Für mich spielt es eine große Rolle, sagte ich. Für mich nicht, beharrte sie, denn ich bin eine geweihte Priesterin, und wenn es für dich eine Rolle spielt, wirst du die Energie nicht durchbringen. Zu der Zeit verstand ich noch nicht, was sie meinte. Du trägst in dir Dinge, die ich zuvor bei keinem bemerkt habe. Und sie erklärte mir noch einmal, daß jedes Lebewesen zwei Aspekte in sich birgt, den positiven und den negativen; den gebenden und den empfangenden; den männlichen und weiblichen. Dies kommt in seiner elementarsten Form im Physischen zum Ausdruck. Bei normalen Menschen ist einer dieser Aspekte vorherrschend, und der andere tritt zurück, und diese Spannung nennen wir Sexualität. Obwohl latent, ist der zurücktretende Aspekt vorhanden, wie es jene wissen, die sich mit Störungen und Krankheiten des Körpers beschäftigen - und erst recht jene, die mit den Verirrungen der Seele zu tun haben. Die Alten machten sich darüber keine Gedanken, sondern sagten, die Seele wäre bisexuell, und wenn sich der eine Aspekt in einem Körper verwirklichte, schlummerte der andere verborgen in der geistigen Welt. Wenn wir in unser Herz schauen, erkennen wir, wie wahr dies ist, denn jeder von uns hat zwei Seiten der Natur - die eine, die vorangetrieben wird durch ihre eigene Dynamik und die andere, die schlummert, die auf Inspiration wartet. Bei einem Mann ist es seine spirituelle Natur und bei einer Frau ihr dynamischer Wille.

Dann erklärte sie mir, daß bei einigen Menschen beide Seiten der Natur nahezu im Gleichgewicht lägen, und dies sei keine widernatürliche Entgleisung des Körpers oder der Triebe, sondern eine Frage des Temperaments. Widernatürlich wird es, wenn der dominante Faktor unterdrückt wird. Priesterinnen haben keine persönlichen Bindungen.

Mondmagie

Ein Ritual

(aus Mondmagie von Dion Fortune)

Dann erhob sich Morgan langsam, und ihre Gewänder hüllten sie ein wie ein Schleier aus Licht. Sie stand aufrecht da wie eine Statue aus dem alten Ägypten und hob die Hände, bis die Handflächen zu mir gerichtet waren; ihren Handflächen entströmte eine ungeheure Energie. Ihr Gesicht hatte sich verändert, ihre Lippen wirkten beinah negroid, doch die stille, ruhige, nordische Breite der Augenbrauen blieb. Dann sprach eine Stimme, die nicht Morgans Stimme war, menschenunähnlich und metallisch: Ich bin die verschleierte Isis im Schatten des Heiligtums.

Ich bin sie, die sich als Schatten hinter dem Wechsel von Tod und Geburt bewegt.
Ich bin sie, die bei Nacht erscheint, und kein Mann darf mein Antlitz sehen.
Ich bin älter als die Zeit und von den Göttern vergessen.
Niemand darf mein Antlitz sehen und danach weiterleben, denn in der Stunde, in der er meinen Schleier lüftet, ist er des Todes.

Von einer Kraft getrieben, die ich nicht beschreiben kann, begann ich zu sprechen:
Es gibt einen Mann, der dir ins Antlitz schaut. Siehe, ich bin das Opfer.
Ich lüfte deinen Schleier und sterbe, bis ich einst wiedergeboren werde.

Und hinter mir hörte ich die Stimme des Mondpriesters:
Es gibt zwei Tode, durch die die Menschen sterben, den höheren und den geringeren.
Den Tod des Körpers und den Tod der Einweihung.
Der Tod des Körpers ist der geringere.
Der Mann aber, der das Antlitz von Isis schaut, muß sterben, denn die Göttin nimmt ihn sich als Opfer.
Alle, die sterben, beschreiten den Weg zur Quelle, die neben der weißen Zypresse liegt.
Und ich antwortete:
Ich will den Pfad beschreiten, der zur Quelle neben der weißen Zypresse führt.
Und die Stimme des Mondpriesters sprach erneut:
Ihn, der bereit ist zu sterben, um zu leben, laß ihn das Antlitz der Gottheit in ihrem Geheimnis schauen!
Weiche von uns, oh du Ungeweihter, denn einer betritt den Pfad, der zu der Quelle neben der weißen Zypresse führt.

Ein eigenartiges Gefühl überkam mich, ich fiel in Trance und nahm gerade noch wahr, daß Morgans Hände nicht länger erhoben waren, sondern ausgestreckt und parallel, die Handflächen sich gegenüber-liegend; und in ihre ausgestreckten Handflächen zog sie mein Leben hinein. Ich fühlte, wie ich passiv, geschlechtslos, widerstandslos wurde, wie schlaftrunken.

Dann hörte ich aus weiter Ferne Morgan singen:
Ich bin die gezeitenlose, tiefe, rauhe See, Alle Dinge enden in mir, Mein ist das Königreich der Persephone, Das Innere der Erde, zu dem drei Wege führen. Wer die Wasser des versteckten Brunnens trinkt soll Dinge sehen, von denen er nicht sagen darf ? soll den beschatteten Pfad betreten, der zu mir führt Diana, Hüterin des Pfads und Hekate, Selene des Mondes, Persephone... Ich meinte, den Tod aus der großen Tiefe nach mir rufen zu hören, und mein Leben floß aus mir heraus, so als ob ich verblutete. Wenn je ein Mann gestorben ist, dann starb ich; aber ich hörte die Stimme des Mondpriesters, der zu mir durch die sich verdichtenden Schatten sprach: Die Tochter der Großen Mutter ist Persephone, die Königin des Hades, Herrscherin der Königreiche von Schlaf und Tod, die die Menschen auch als die dunkle Königin verehren. Ebenso wie sie Aphrodite ist ? und hierin liegt das große Geheimnis, denn es steht geschrieben, daß niemand das Eine ohne das Andere verstehen soll. Im Tod betreten die Menschen über einen schattigen Fluß ihr Reich, denn sie hütet die Seelen bis zur Dämmerung des Lebens. Aber im Tod liegt auch Leben, er führt zur Wiedergeburt. Oh, warum fürchtet ihr die dunkle Königin, ihr Menschen? Sie ist die Erneuerin. Aus dem Schlaf erwachen wir erfrischt, aus dem Tod erwachen wir wiedergeboren; die Umarmungen der Persephone schenken den Menschen neue, ungekannte Energie. In der Seele geschieht ein Wandel, der die Menschen zu Persephone bringt; sie sinken zurück in den Schoß der Zeit; sie werden zu ungeborenen Seelen; sie betreten das Königreich, in dem Sie als Königin regiert; ihre Kräfte werden aufgehoben und sie warten auf neues Leben. Die Königin des Hades kommt zu ihnen als Brautjungfer, sie werden fruchtbar gemacht und entwickeln sich fort mit Freude, denn die Berührung der Königin des Schlafes hat sie mit Energie gefüllt. Ich spürte, nun war die Zeit gekommen, auf die ich von Anfang an gewartet hatte, mein Leben würde auf dem Altar ausgeblasen, um der Göttin Energie zu bringen; ich hatte dieses Opfer als einen blutigen Ritus gefürchtet, gewaltsam und schrecklich; aber dies hier war ein langsames Schwinden der Kraft und ein Niedersinken in das Nichts, das nur deshalb so schrecklich für mich war, weil es das Ende bedeutete. Ich fühlte, wie mich Schlaf überkam wie die Flut, wenn die See draußen über den Fels stieg, und sich das zurückholte, was ihr gehörte, und daß sie der Erde eine Stunde geliehen hatte. Ich kehrte zurück in das Nichts, aus dem ich gekommen war, und mein Leben endete, wie es begonnen hatte im Schlaf. Ich erinnerte mich an die Worte eines der Weisen: Wenn sich erst die Silberschnur gelöst hat oder die goldene Schale zerbrochen ist... Ich spürte, wie die goldene Schale meiner Seele emporgehoben und auf dem Mondaltar ausgegossen wurde; aber die Silberschnur hatte sich noch nicht gelöst. Obwohl ich dem Tod so nahe war, wie ein Mensch nur sein kann, wenn er zurückkehren darf, lebte ich immer noch. Mit den Augen der Hellsichtigkeit sah ich die Sterne in der unendlichen Weite des Weltraums kreisen, und die Gezeiten der Erdenseele ihnen folgend, so wie die Gezeitenwelle der See auf Erden dem Mond folgt. Und dann hörte ich erneut die Stimme des Priesters:
Unsere Königin ist auch der Mond, von manchen Selene genannt, von anderen Luna, aber von den Weisen Levanah, denn Levanah birgt alle ihre Namen.
Sie ist die Herrscherin von Ebbe und Flut.
Die Wasser der großen See antworten ihr wie die Gezeiten aller Weltmeere, und sie regelt den Rhythmus der Frau. In den Seelen des Menschen finden sich Ebbe und Flut der Gezeiten des Lebens wieder, die niemand außer den Weisen kennt; und über diesen Kreislauf gebietet die Große Gottheit nach dem Gesetz des Mondes.
Sie steigt aus der See als der Abendstern, und die Wasser der Erde, magnetisch angezogen, erheben sich als Flut.

Sie versinkt als Persephone im westlichen Ozean, und die Wasser fließen in das Erdinnere zurück und werden still in dieser großen See der Dunkelheit, in der sich der Mond und die Sterne spiegeln. Wer so still ist wie der dunkle unterirdische See der Persephone, sieht den Kreislauf des Unsichtbaren sich darin bewegen, und kennt alle Dinge. Darum wird Luna die Muse der Visionen genannt.Die Stimme verstummte, und ich dachte, das wäre das Ende. Dann sah ich, daß sich in der tiefesten Finsternis Licht wie eine Flut erhob, und ich begriff, daß selbst der Tod ein eigenes Leben hat. Ich schaute den dunklen See in der Unterwelt, wo Persephone, die auch Morgan le Fay war, auf ihrem Thron saß und mich erwartete. Ich erinnerte mich an meine Vision der Seehöhlen, wo ich hatte schwören müssen, ohne Kampf in den Tod zu gehen, weil das Opfer durch vorbehaltlose Hingabe gebracht werden muß ? und ich war bereit, das dunkle Wasser zu überqueren und zu ihr zu gehen. Ich fand mich selbst wieder in dem seltsamen Boot mit hohem Bug, ?Jahrmillionen', das Boot des Osiris, und ich war selbst Osiris. Neben mir standen die Götter, die mich begleiteten, die ich auch war: Horus, der Falke des Morgens, stand am Ausguck, und Toom, Gott der Dämmerung, saß schweigend auf dem Achterdeck, und zu meinen Füßen Kephra Beetle, Symbol der Mitternachtssonne, in seinen Klauen das Symbol der Zeit haltend, die vergangen ist. So fuhren wir über die dunklen Wasser des Sees der Unterwelt, um zu der Königin der Toten zu gelangen, meiner magischen Braut. Und als wir näherkamen, nahm das Licht zu, bis es das Licht des Raums im Fort war, und am anderen Ende saß Morgan. Während ich sie betrachtete, wandelte sie sich langsam von Silber in Gold, und ihre Aura strahlte in den Farben des Regenbogens. Ihre geschlossenen Augen öffneten sich und waren erfüllt von überwältigender Lebenskraft mit einem Glanz, wie ihn nicht einmal die prachtvollste Morgendämmerung verbreiten kann. Dann änderte sich der Fluß der Energie, der von mir zu ihr geflossen war, und strömte zurück, und ich spürte, wie die Kraft zu mir zurückkehrte, aber anders als zuvor, denn mein Leben war eins gewesen mit dem Leben der Göttin. Dann sang sie, und ich wußte, es war Isis, entschleiert und voller Energie:

Ich bin der Stern, der aus der See aufsteigt ? der dämmrigen See.
Ich bringe den Menschen Träume, ihr Schicksal weisend.
Ich bringe die Träume zu den Seelen der Menschen;
Den ewigen Wechsel von Ebbe und Flut und wieder Ebbe
Das ist mein Geheimnis, es ist mein.
Ich bin die Ewige Frau, ich bin sie!
Geburt und Tod aller menschlichen Seelen sind mein.
Der ewige Wechsel von Ebbe und Flut und wieder Ebbe
Die stillen, inneren Strömungen, die die Menschen regieren, Sie sind mein Geheimnis, sie sind mein.
Aus meinen Händen empfängt er sein Schicksal.
Die Berührung meiner Hände wird zu Energie.
Dies sind die Gezeiten des Mondes, sie sind mein.
Ich bin der Stern, der aus der See aufsteigt ? der dämmrigen See.
Ich bringe den Menschen Träume, ihr Schicksal weisend.
Ich bringe die Träume zu den Seelen der Menschen;
Den ewigen Wechsel von Ebbe und Flut und wieder Ebbe
Das ist mein Geheimnis, es ist mein.
Ich bin die Ewige Frau, ich bin sie!
Geburt und Tod aller menschlichen Seelen sind mein.
Der ewige Wechsel von Ebbe und Flut und wieder Ebbe
Die stillen, inneren Strömungen, die die Menschen regieren, Sie sind mein Geheimnis, sie sind mein.
Aus meinen Händen empfängt er sein Schicksal.
Die Berührung meiner Hände wird zu Energie.
Dies sind die Gezeiten des Mondes, sie sind mein.
Hera im Himmel, auf Erden Persephone;
Levanah der Gezeiten, und Hekate.
Diana des Mondes, Stern der See ?Isis entschleiert und Ea, Binah, Ge!

Und während sie sang, berührten ihre sich windenden Hände meine Seele und lösten sie aus ihrer irdischen Hülle.

Dann, starr wie eine Statue, nur ihre Gewänder flatterten, schritt Morgan zum Fenster. Ich war unfähig, mich zu bewegen. Sie ging hinaus in den Vorhof; der Mond war inzwischen höher gestiegen und überflutete das Fort mit seinem Licht. Sie blieb einen Moment ruhig zwischen den Resten der vom Sturm zerschlagenen Seetiere stehen; während eine leichte Wolke über den Mond zog, erwachten sie im unbestimmten Licht zu neuem Leben. Dann schritt sie die Stufen zur Landspitze hinunter. Die Balustrade war vom Sturm weggefegt worden, und nichts lag mehr zwischen ihr und der See; das Mondlicht ergoß sich über sie und ließ ihre Kleider glitzern, trotzdem war sie beinahe unsichtbar. Sie ging die Landzunge hinunter bis zum äußersten Ende, wo der flache Felstisch direkt unterhalb der Wasseroberfläche lag, nur bei tiefer Ebbe tauchte er aus dem Wasser auf. Ich konnte sie gerade noch erkennen, ihre silberne Robe war von dem strahlenden Glitzern des Wassers beinahe nicht zu unterscheiden. Dann segelte eine Wolke über den Mond, und als sie vorüber war, stiegen helle Nebelschwaden aus der See auf, und nahmen mir den Blick auf Morgan, die im Dunst verschwunden war. Mein erster Gedanke war, ihr zu folgen und nach ihr zu suchen, aber ein stärkerer, innerer Zwang hielt mich zurück. Ich fühlte, ich durfte es nicht, sie war nicht in Gefahr. So saß ich in meinem Stuhl und wartete. Auf einmal wurde mir bewußt, daß ich nicht allein war. Ich spürte keine Bewegung, nicht einmal einen Hauch hinter mir als Zeichen, daß dort etwas war, aber dennoch ahnte ich die Gegenwart irgendeines Wesens, und allmählich stieg in mir ein Gefühl von Ehrfurcht und Erregung auf, das einen in der Gegenwart einer dynamischen Persönlichkeit überkommt einer der Großen dieser Erde. Ich wartete und lauschte, die Luft zwischen den einzelnen Atemzügen anhaltend, um nicht die geringste Bewegung dessen, was hinter mir war, zu verpassen, aber wie unter Hypnose konnte ich mich nicht umdrehen. Dann begann eine Stimme zu sprechen, klar für meine physischen Ohren, volltönend, ausgewogen und ruhig ? die Stimme des Mondpriesters; nicht mehr eine körperlose Stimme, sondern materialisiert. Sie redete fort und fort wie das Geräusch dahinfließenden Wassers, und in den Pausen hörte ich das Klatschen der Wellen gegen die Felsen, die Flut kam und überschwemmte das Ende der Landzunge. Während die Stimme sprach, entstanden vor meinen Augen die Bilder, die sie schuf, und nun wußte ich, warum es in der Bibel heißt: Am Anfang war das Wort', denn das Wort schwebte wie der Geist Gottes über den Wassern. Ich sah wie beim ersten Mal die See in Raum und Zeit, indigoblau in der Nacht der Götter. Und über dem Dunkel der See erkannte ich das silberne Licht und das goldene Licht, kommend und vergehend in langen, pulsierenden Strahlen. Als die wohltönende Stimme fortfuhr, lauschte ich ihr; einiges verstand ich, denn sie erklärte, was geschehen war; aber das, was sie von der Zukunft erzählte, verstand ich nicht.

Der dreimal große Hermes hat in die Smaragdene Tafel eingraviert Wie oben, so unten Auf der Erde sehen wir die Spiegelung der himmlischen Gesetze im Verhalten von Mann und Frau. Alle Götter sind ein Gott, und alle Göttinnen sind eine Göttin, und es gibt nur einen Schöpfer. Am Anfang waren Raum und Dunkelheit und Ruhe, älter als die Zeit und von den Göttern vergessen. Die See des unendlichen Weltraums war die Quelle allen Lebens; Leben entstand wie eine Flutwelle in der unergründlichen See. Alles wird dorthin zurückkehren, wenn die Nacht der Götter kommt. Dies ist die große See, Marah, die Bittere, die Große Mutter. Und wegen der Trägheit des Raums entstand zuerst die Bewegung als Ebbe und Flut, die von den Weisen das ,passive Prinzip' der Natur genannt wird, die dies als kosmisches Wasser oder fließenden Raum verstehen. Viele Menschen gaben ihr viele Namen; aber dennoch ist sie für alle die Große Göttin Raum und Erde und Wasser.
Als Raum wird sie Mutter der Götter genannt, die die Götter schuf; sie ist älter als die Zeit; sie ist die Mutter aller Dinge, die Wurzel allen Seins, homogen und rein.
Sie ist auch Binah, die Ewige Mutter,
die Chokmah empfangen hat, den Ewigen Vater.
Sie ist die Spenderin der Form für die Kraft, durch die die Form entstehen kann.
Sie ist auch die Botin des Todes, denn das, was geformt worden ist, muß sterben, als leere Hülle, damit es zu einem erfüllteren Leben wiedergeboren werden kann. Deshalb heißt sie Marah, die Bittere, unsere Königin der Sorgen, denn sie ist die Botin des Todes. Auch wird sie Ge genannt, denn sie ist die Erde schlechthin, die zuerst aus dem Formlosen Geformte. All dies ist sie, und all dies wird in ihr sichtbar, und alles, was ihrer Natur entspricht, antwortet ihr, und sie ist seine Herrscherin. Ihre Gezeiten sind seine Gezeiten, ihre Wege sind seine Wege, und wer das eine kennt, kennt auch das andere. Alles, was aus dem Nichts entsteht, wird durch sie geschaffen; alles, was ins Nichts versinkt, bewahrt sie. Sie ist die große See, aus der das Leben entstand, und am Ende der Zeit wird alles zu ihr zurückkehren. Hier ruhen wir im Schlaf, hier sinken wir zurück in die Urtiefen, zu den Dingen, die lang vergessen waren, als die Zeit entstand, und die Seele wird durch die Berührung der Großen Mutter erneuert. Wer nicht zurückkehren kann zum Ursprung, hat im Leben keine Wurzeln, sondern vertrocknet wie Gras. Das sind dann die lebenden Toten, die von der Großen Mutter zu Waisen gemacht werden. All dies bedeutete mir im Moment wenig, außer den Worten der Smaragdenen Tafel wie oben, so unten - aber später kehrten diese Worte allmählich zurück, als mein Leben die Erklärung dafür lieferteund die große Göttin war für mich wirklich ,die Bittere'. Die Stimme verklang, und ich saß schweigend in meinem Stuhl und wartete auf Morgans Rückkehr. Obwohl nichts mehr zu hören war, wußte ich, daß ich nicht alleine war, sondern daß mich der Mondpriester während meines Wartens begleitete und schützte. Ich wartete auf Morgans Rückkehr; aber sie kehrte nicht zurück. Ich sah sie niemals wieder.

 Sprung  
Xobor Forum Software ©Xobor.de | Forum erstellen